Stuhlfabrik Schnieder GmbH

Die Stuhlfabrik Schnieder GmbH ist ein Produzent von Gastronomiemöbeln mit Sitz im westfälischen Lüdinghausen. Zu den Kunden zählen Betreiber von Restaurants, Cafés, Kantinen und Hotels. Der Vertrieb erfolgt bundesweit durch Fachberater vor Ort.

Gegründet wurde das Unternehmen 1918 von August Rüschkamp sen. und Bernhard Schnieder als Holzbearbeitungswerk Rüschkamp und Schnieder. Wenig später trat der Druckereikaufmann Felix Schnieder in das Unternehmen ein. Er wurde Komplementär und alleiniger Geschäftsführer. Ab dieser Zeit hieß das Unternehmen: Rüschkamp und Schnieder K. G. Stuhlfabrik. Die gepachteten Produktionsräume befanden sich in einer ehemaligen Holzschuhmacherei in der früheren Klapperstraße (jetzt: Neustraße) in Lüdinghausen. Eine Auskunft des Magistrats aus dem Jahre 1918 bescheinigt, dass Schnieder anfangs Holzschuhe herstellte.

Die Stuhlproduktion war von Anfang an geplant. Zunächst wurden Küchenstühle aus Holz gefertigt. Den Vertrieb übernahm der benachbarte Möbelhandel. Die Anschaffung einer Biegemaschine trug später zu einer höheren Modellvielfalt bei. Das so genannte „Vollholzbiegen“ geht auf ein Patent von Michael Thonet im Jahr 1856 zurück, welches 1869 frei wurde. Rechnungsbelege aus dem Jahr 1929 dokumentieren spätestens die Einführung der Bugholztechnk in der Stuhlfabrik Schnieder.

1923 zog die Fabrik in eigene Räume im so genannten Gebiet „Struck“ um. Der Standort war damals noch unerschlossen. Zunächst entstand hier ein Maschinenraum von 30 mal 13 Metern Grundfläche. Eine Holzbaracke erweiterte das Gebäude. Eine alte Lokomobile brachte mittels Dampfkraft die Maschinen in Bewegung. Noch heute ist dieses Areal in der Industriestraße 15 der Unternehmens- und Produktionsstandort.


Felix Schnieder war die treibende Kraft im Unternehmen. Trotzdem gingen die schleppende Wirtschaft nach dem ersten Weltkrieg und schließlich die Weltwirtschaftskrise nicht spurlos an der Stuhlfabrik Schnieder vorüber. Mit den Arbeitsbeschaffungsprogrammen unter der Regierung von Kurt von Schleicher, dem letzten Präsidialkabinett der Weimarer Republik, waren Mitte der 30er Jahre wieder genug Arbeitskräfte verfügbar, und die Kaufkraft wuchs. Dennoch erlebte die Stuhlfabrik 1935 einen weiteren Rückschlag: Ein Wirbelsturm fügte den Gebäuden erheblichen Schaden zu. Trotzdem führte man die Produktion während des gesamten zweiten Weltkrieges, teils in hinzu gepachteten Hallen, mit Unterstützung von Frauen weiter. Auch Kriegsgefangene arbeiteten damals in der Fabrik. Im Krieg konnte nur Stühle kaufen, wer auch Schnittholzscheine besaß. Pro Kubikmeter Schnittholz hatte man Anrecht auf 50 Stühle. Ein Stuhl kostete damals 7,50 Mark. Als Stundenlohn bekamen die Arbeiter der Fabrik 75 Pfennig.

Da der einzige Sohn von Felix Schnieder verstorben war und es keine direkten Nachfolger gab, trat die Nichte Margret Schnieder 1945 in das Unternehmen ein. Die Wirtschaftswunder-Jahre nach dem zweiten Weltkrieg brachten auch der Stuhlfabrik einen Aufschwung: Neben Stühlen, Sesseln und Tischen nahm man auch die Fertigung von Bänken in das Portfolio auf. 1958 wurde Kurt Stoffel als Betriebsleiter eingestellt. Bis 1994 prägte er – später als Mitgesellschafter – die Geschichte des Unternehmens, insbesondere durch technische Innovationen und eine zunehmende maschinelle Fertigung, maßgeblich mit.

Rekrutierten sich die Kunden früher aus Behörden, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Institutionen, erfolgte der Vertrieb ab den 1960er Jahren schwerpunktmäßig an die Gastronomie und Hotellerie. Durch die wachsenden Aktivitäten wurden auch die Betriebsgebäude erweitert.
Felix Schnieder verstarb am 10.01.1967 im Alter von 86 Jahren. Nach seinem Tod übernahm Margret Schnieder die Führung der Geschäfte. Um die Nachfolge zu sichern, trat 1971 ihre Nichte Annegret Schnieder-Schöttler in das Unternehmen ein.
Ab den 1980er Jahren entwickelte die Stuhlfabrik Schnieder komplette Einrichtungskonzepte für die Gastronomie und Hotellerie. Im Zuge des Wachstums unterstützte Dirk Schöttler seine Frau Annegret ab 1985 in der Geschäftsführung.

Der Mauerfall und die Grenzöffnung 1989 war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Lüdinghauser Stuhlfabrik, da die Nachfrage im Osten Deutschlands sprunghaft anstieg. Im Zuge der Nostalgie-Welle erlebten vor allem klassische Stuhlmodelle eine Renaissance. 1993 wurden in der Fabrik 40.000 Stühle, 6.000 Tische und acht Kilometer Bänke produziert.

2003 ging das Familienunternehmen in die Stuhlfabrik Schnieder GmbH über. Drei ehemalige Mitarbeiter, Christian Hugot, Michael Merten und Reinhard Grell übernahmen die Stuhlfabrik und führten sie zunächst mit einer reduzierten Basismannschaft von 20 Mitarbeitern weiter.
Im Jahr 2005 verstarb Margret Schnieder.

2018 - 100 Jahre Stuhlfabrik Schnieder

Bis 2018 wuchs die Belegschaft wieder auf 80 Mitarbeiter an. Noch heute werden Schnieder-Möbel am Standort Lüdinghausen hergestellt und bundesweit vertrieben. Die Stuhlfabrik Schnieder steht für Innovation, handwerkliche Qualität und anspruchsvolles Design.

#Schniedersitzt!